31. Studiengang Restaurator im Malerhandwerk Farbfassungen und Beschichtungen Westwand im Raum 5 Obergeschoss Emscherquellhof 49539 Holzwickede von Michael Ullrich Münster in Westf. , den 15.02.2005
A: Einleitender Teil |
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| Erläuterung der Aufgabenstellung | |
| Tätigkeitsbereich des Restaurators im Malerhandwerk | |
| Lageplan des Emscherquellhofes | |
| Zuständigkeiten zum Denkmal | |
| Geschichtlicher Hintergrund | |
B: Bestandsaufnahme |
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| Lokalisierung im Gebäude | |
| Zeichnerische und Fotografische Bestandsaufnahme | |
| Bauteilbeschreibung | |
Geschichtliche Untersuchungen |
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| Zeitleiste Geschichtsspuren | |
| Befunde Geschichtsspuren | |
| Legende/Kartierung_ Geschichtsspuren | |
Technologische Untersuchungen |
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| Befunde Materialien | |
| Legende/Kartierung_ Materialien | |
| Befunde Handwerkstechniken | |
| Legende/Kartierung_ Handwerkstechniken | |
| Erläuterung Walzenmustertechnik | |
| Befunde Schäden | |
| Legende/Kartierung_ Schäden | |
C: Konzeptfindung |
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| Bewertung der historischen Bedeutung und der Geschichtsspuren | |
| Bewertung des technischen Zustandes | |
| Berücksichtigung der geplanten gegenwärtigen Funktion | |
Restaurierungskonzept |
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| Aufzeigen verschiedener Denkansätze | |
| Festlegung des Restaurierungskonzeptes | |
D: Maßnahmen |
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| Maßnahmenplanung | |
| Kostenkalkulation | |
| Fiktive Maßnahmendurchführung | |
| Abschlussdokumentation | |
| Quellenverzeichnis |
Hof Lünschermann
Luftschachtweg
59439 Holzwickede
Emscher Genossenschaft/Lippeverband
D-45128 Essen, Kronprinzenstr. 24
Telefon: +49-201-104-2216
Telefax: +49-201-104-2692
Web: www.eglv.de
Die Emschergenossenschaft wurde am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband in Bochum gegründet. Dieses Modell stand Pate für eine ganze Reihe weiterer Wasserverbände; darunter den am 18. Januar 1926 gegründeten Lippeverband. Emschergenossenschaft und Lippeverband haben von Anfang an eng kooperiert und arbeiten unter dem Dach einer einheitlichen Unternehmensstruktur zusammen.
Als Selbstverwaltete Körperschaften des öffentlichen Rechts werden die beiden Verbände durch ihre Mitglieder -Städte, Wirtschaft und Bergbau -getragen und finanziert. Über die jährlichen Versammlungen und die Verbandsräte wirken die Mitglieder bei der Meinungsbildung und den Entscheidungen mit.
Die wichtigsten Aufgaben von Emschergenossenschaft und Lippeverband sind Abwasserreinigung, Sicherung des Abflusses, Hochwasserschutz und Gewässerunterhaltung. Dazu werden zahlreiche Kläranlagen, Pumpwerke, Abwasserkanäle und Regenbecken betrieben.
Im Jahre 2004 konnte die Emschergenossenschaft den Emscherquellhof nach vorherigem Gutachten welches 1997 von der Akademie des Handwerks auf Schloss Raesfeld erstellt wurde Erwerben. Die Genossenschaft ist nun im Besitz aller Grundrechte rund um die Emscher der Lünschermannhof war das letzte Puzzlestück welches noch fehlte.
Denkmalbehörde:Westfälisches Amt für Denkmalpflege
Salzstr. 38
48145 Münster
Gebietsreferent Dr. Reinke
Dipl. Ing. Eberhard Berg
Schloss Raesfeld GmbH
Freiheit 25-27
46348 Raesfeld
Geologie:
Inmitten von Wiesen und Feldern liegt ein malerischer Fachwerk-Bauernhof mit altem Bauernhaus und einem Teich, der Lünschermannshof erbaut 1801. Der Quellenbach fließt in den Teich des Gehöftes und verlässt ihn wieder als Bach. Das ist die Wiege der Emscher. Irrtümlich wird überliefert, die Emscher entspringe im Keller des Bauernhauses.
Wo entspringt eigentlich die Emscher?

Das eigentliche Quellgebiet der Emscher lag, beziehungsweise liegt, wie historischen Karten zu entnehmen ist, im Hixter Wald. Da der dort betriebene Bergbau als Tagebau umfangreiche Entwässerungsmaßnahmen erforderte, versuchten die Bergleute, das Grundwasser durch Gräben und Stollen abzuführen. Seit dem Jahre 1827 liegt die Emscherquelle deshalb offiziell abseits ihres eigentlichen Stammgebiets.
Seit der Stillegung des Bergbaus haben sich jedoch die hydrologischen Verhältnisse allmählich wieder den früheren angepasst. Der Zufluss aus dem Hixterwald führt wieder ständig Wasser. Es fließt am Hof Lünschermann vorbei und nimmt dort das "amtliche" Emscherquellwasser auf.
Südwestlich des Ortskerns von Holzwickede befindet sich der Hixterwald. Dort entspringen am "Quellacker" drei Quellen. Sie fließen an der Quellenstraße zusammen und bilden den Quellenbach. Eine weitere Quelle entspringt im Keller des Hofes und fließt direkt in den Teich.
Warum entstand gerade hier die Quelle?
Die Emscherquelle liegt auf den so genannten "Dortmunder Rücken" auf der 80-m-Höhenlinie der in eine flache, weite Ebene übergeht. Der geologische Aufbau dieses Dortmunder Rückens, der aus einer mächtigen Lößschicht über wasserundurchlässigem Mergelgestein besteht, führte in vorindustrieller Zeit dazu, das auf dieser 80-m-Höhenlinie zahlreiche Quellen zutage traten. Dieser Umstand war für die frühe Besiedlung von außerordentlicher Bedeutung, da damit eine gute Trinkwasserversorgung gewährleistet war. Auch für den Ackerbau war die Hanglage von Vorteil denn es führte nicht zur Staunässe im Acker somit war die Lage des Bauernhofes gut gewählt.
Im Quellgebiet der Emschergemeinde Holzwickede plätschert das Wasser noch als kleiner munterer Bach sauber durch Wiesen. Von Holzwickede fließt er nach Sölde in Dortmunder Gebiet. Kürzere Strecken, z.B. unter Straßen, ist er verrohrt.

Die Emscher mündet in der Höhe von Walsum bei Duisburg in den Rhein. Sie durchzieht die Emscherregion von Ost nach West auf einer Länge von 109 Kilometern mit Verbindungen zu den großen Seehäfen in Norddeutschland, zum süddeutschen Raum und zu angrenzenden Staaten. Die Emscher führt neben Ruhr und Lippe ein unrühmliches Dasein sie ist ein Industriefluss und war Jahrzehnte lang ein Oberirdischer Abwasserkanal.

Bereits um 1100 wird in Opherdicke kirchlicher Besitz nachgewiesen, das Kloster Werden, eine Klosterstiftung Karls des Großen erwirbt hier einen Hof. Weiter werden Zwei Bauern erwähnt die Abgaben an einen Grundherren zu entrichten haben. Laut Namensforschung bedeutet Wickede so etwas wie eine feste Niederlassung das Vorwort Holz ist zur Unterscheidung von Wickede gedacht. Die Gerichtsbarkeit des Dorfes lag bei den Edelherren von Herreke, die mit den Grafen von Dortmund verwandt waren und mit ihrer Burg auf dem Kamm des Haarstranges den Süden bis zum Ruhrtal und den Norden bis zum Hellweggebiet und Münsterland kontrollierten außerdem sicherten sie die wichtige Handelsstraße von Hohensyburg bis nach Paderborn. Die Bauern standen jahrhundertelang in Leibeigenschaft sie mussten ein Drittel ihrer Erträge den Gutsherren in Naturalien abtreten und waren zu handwerklichen Leistungen verpflichtet.

In Kriegszeiten mussten sie ebenfalls zur Verfügung stehen und hatten besonders unter Plünderungen zu leiden. Während der Dortmunder Fehde 1388/89, der 30 jährige Krieg und der Siebenjährige Krieg und die Einquartierung der Kosaken.
Die Leibeigenschaft endete mit der Franzosenherrschaft und wurde ab 1813 von der neuen Preußischen Regierung nach und nach umgesetzt . Durch ein Gesetz vom 21 April 1825 blieb die Leibeigenschaft beseitigt, ebenso wurden die an der Person haftenden Dienste aufgehoben. Bis Grundherren blieben jedoch Eigentümer der Höfe und forderten ihren Pachtzins sei es Natural-oder Geldabgaben. Mit der Ablöseordnung vom 13. Juli 1829 konnten Pächter die Höfe für den 25fachen Jahresbetrag ablösen und erwerben. Erleichtert Wurde dieses durch ein neues Gesetz vom 2. März 1850 welches den Betrag auf das 18fache Senkte. Die Bauern hatten nun die Möglichkeiten als Eigenständige Bauern zu arbeiten was der Entwicklung der Höfe nur dienlich war.
Schon 1900 schlug der Gemeindevorsteher vor aus den Gemeinden Hengsen, Hólzwickede und Opherdicke ein Amt zu bilden, hierbei kam es doch zu keiner Einigung ebenso wie der Anschluss an die Stadt Dortmund. 1929 folgte eine Eingliederung in den Landkreis Hamm später Unna. Zum 1 Januar 1968 beschloss der Landtag eine Neugliederung des Kreises Unna, die oben erwähnten Gemeinden zu der Großgemeinde Holzwickede zusammenzuschließen.
Der Emscherquellhof ist seit 2004 im Besitz der Emscherquellgenossenschaft welches für diese eine besondere Bedeutung hat sie besitzt durch den Erwerb des Hofes nun alle Grundrechte entlang der Emscher und konnte diesen Hof zum 100 Jährigen Jubiläum erwerben. Doch vor dem Kauf wurde 1997 die Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld beauftragt eine Bestandsaufnahme und Dokumentation zu erstellen welche für die Verkaufsverhandlungen und vor allem für die Nutzung und Planung von großer Bedeutung sind. Es handelt hierbei um ein typisches Hellweger Bauerngehöft was 200 Jahre bewohnt wurde und viele Bewohner und vor allem Um-und Anbauten erlebt hat welche wieder im Zusammenhang mit den Bewohnern stehen. 1984 wurde der Hof Lünschermann unter Denkmalschutz gestellt da dieser Vertretend für viele andere Hellweghöfe steht.

Der Familienname Lünschermann ist wesentlich älter als die Inschrift über dem Dielentor es geht bis in das Jahr 1608 zurück.
1801 wird der Hof Lünschermann gegründet wahrscheinlich von den jungen Eheleuten Lünschermann die Wasserversorgung durch den Quellenbach dürfte hierbei eine Rolle gespielt haben.
1827 wird das Haupthaus erstmals mit dem Namen Lünschermann in der preußischen Urkatasterkarte dargestellt ohne Nebengebäude.
Die Reinkarte von 1870 stellt den Hof Lünschermann mit insgesamt vier Nebengebäuden vor. Stall, Scheune, Remise und Backhaus da hier Eintragungen fehlen wird die Funktion dieser Gebäude nur vermutet.
1839/40 ist die Hofanlage auf 3 Gebäude angewachsen.
Das Haupthaus bleibt eigentlich von großen Umbauten verschont lediglich Erneuerungen werden ausgeführt, wie kleine Veränderungen an den Fassaden und einen neue Dacheindeckung.
Im Jahre 1901 besitzt der Hof laut Gemarkungskarte 5 Nebengebäude, zwei neue Gebäude wobei das Haus gegenüber dem Deelentor abgerissen wurde. Drei der Gebäude stehen dem Deelentor gegenüber und bilden so einen Platz wahrscheinlich Stall, Scheune und Remise am stehen heute nicht mehr, am Wohngiebel wird erstmals das alte Backhaus erwähnt. Durch die Anordnung dieser Gebäude erscheint der Emscherquellhof als typischer Einzelhof des Hellweges. Das Backhaus wird erstmalig als Altenteil erwähnt. Früher war es üblich das der junge Bauer mit seiner Familie die Leitung des Hofes übernahm und die Senioren in ein kleineres Nebengebäude einzogen, daher auch das Sprichwort "ich ziehe mich aufs Altenteil zurück"
Das Backhaus bekam 1927 einen weitern Anbau.

Ab dem 04.01.1913 verändert sich der Hof durch die Übernahme der Rittergutsbesitzer Schulze-Dellweg im selben Jahr beginnen die Planungen und der Beginn des Stallhauses welches als Schafstall errichtet wurde und das Haus erweitert mit völlig neuen Materialien (Stahlstützen, Stahlsprossenfenster, moderne Dachkonstruktion und neue Fachwerkform). In der Außenwand ist abzulesen das die Hölzer ein zweites Mal verwendet wurden. Leider weißt dieses Gebäude Konstruktionsfehler auf und muss aus diesem Grunde bei den Derzeitigen Umbaumaßnahmen des Hofes aufgrund der statischen Mängel abgerissen werden. Die letzten Jahre wurde der Stallanbau als Pferdestall umgenutzt.
Um 1914 wurde auch eine große Gutsscheune erbaut in welcher die Ernteerträge gelagert wurden diese ist ebenfalls nicht mehr erhalten.
In 20 ziger Jahren des 20. Jahrhunderts wechselte der Hof den Besitzer und war von da an dem Verfall Preisgegeben er wurde vermietet im Haupthaus entstanden Wohnungen die zu Guter Letzt als WG's bewohnt wurden der Stallanbau wurde als Reiterhof genutzt.
Der Emscherquellhof ist ein typischer Hellweghof die Anordnung der Gebäude und Nebengebäude, die Baumaterialien, die Architektur, die Art der Konstruktion und die Anordnung der Innenräume zeichnen in als solchen aus.
Da der Hellweg zu dem Netz der alten Europäischen Handelsstraßen gehörte weisen die Gehöfte Einflüsse anderer Regionen z.B. Rhein-u. westliches Münsterland auf die Architektur gilt als besonders fortschrittlich besonders die zweigeschossige Bauweise im Wohnteil.

Landschaftstypisch sind:
-das Dekorationsmotiv der spiegelsymetrisch abknickenden Fuß-u./o. Kopfstrebe im Fachwerkbau
-der Wechsel der Ankerbalken-zu Dachbalkenverzimmerung im Übergang vom Wirtschafts-zum Wohnteil des Haupthauses
-die zu Andreaskreuzen zusammengeführten Streben
-die ungleichmäßig hohen Riegelgänge -die an der Wohngiebelwand ( und nicht an der Lucht) positionierte Küche, welche dadurch als eigenständiger Raum auch die Aufgabe eines Flurs übernimmt
-die zweigeteilte Giebelverbretterung
-das Vorschauer (Region typisch)
-die kleinteiligen Fenster im Traufbereich
Räume und deren Erschließung im Hellweghof
Die Trennung zwischen Wohn-und Wirtschaftsteil ist auch an Hellweghöfen durch den oft nachträglichen Einbau einer Scherwand zu belegen. Diese räumliche Teilung führte auch zu einer neuen Wohnsituation innerhalb des Gebäudes, da nunmehr den Hofbesitzern mit seinen Angehörigen Räume im Wohnteil zustanden, während das Arbeitspersonal weiterhin im Wirtschaftsteil (wenn auch meist in separaten Kammern über den Kuhställen (Mägde) und Pferdeställen (Knechte)) übernachtete. Die Zweigeschossigkeit des Wohnteils und die damit einhergehende Raumvielfalt brachte die Problematik der Raumerschließung mit sich. Damit nicht nahezu die Funktion eines Durchgangszimmer zu einer dahinter befindlichen Kammer erfüllen musste, diente zum einen die flache Küche als Verteilungsraum. Gleichzeitig führten mehrere schmale Stiegen und Leitern ins Obergeschoß. Ein heute übliches Treppenhaus mit anschließenden Fluren ist auf Hellweghöfen des 19. Jahrhunderts nicht anzutreffen.
Raum 5 im 1 OG
Fenster im Südgiebel rechts


Wir betreten den Emscherquellhof durch den Vorbau dann benutzen wir die erste Treppe rechts die uns ins 1 Obergeschoss führt. Über einen langen Flur und kleinen Stufen kommen wir nach 3 Ecken schließlich in den Raum Nr. 5 im Obergeschoß. Hier im Obergeschoss befinden sich viele Räumlichkeiten und wirkt dadurch sehr verwinkelt.Wir betreten den Emscherquellhof durch den Vorbau dann benutzen wir die erste Treppe rechts die uns ins 1 Obergeschoss führt. Über einen langen Flur und kleinen Stufen kommen wir nach 3 Ecken schließlich in den Raum Nr. 5 im Obergeschoß. Hier im Obergeschoss befinden sich viele Räumlichkeiten und wirkt dadurch sehr verwinkelt.


Darstellung des Raumes anhand von Fotos Stand März 2004
und Lage der Wände die stumpfe Seite des Pfeils zeigt den Fotografiestandort an.
Südwand

Ostwand Westwand

Nordwand

Der Raum befindet sich in der Ecke des Südgiebels bzw. an der Ostwand. Die Decke wirkt durch die für uns niedrige Raumhöhe von 2,20m sehr niedrig die wuchtigen und tiefen braun gestrichenen Deckenbalken verstärken diesen Effekt. Auch die Lichtverhältnisse sind mit heutigen Lichtdurchfluteten Räumen nicht zu vergleichen durch die zwei weißen Sprossenfenster einmal im Südgiebel aber mit direktem Blick auf die Emscherquelle und dem Fenster mit Blickrichtung Osten zur Scheune kommt wenig Tageslicht hinein. Der Fußboden besteht aus dunklen rot gestrichenen Eichenholzdielen. Dieser Raum wurde schon immer als Wohnraum benutzt, er enthält viele Tapetenlagen wobei die letzte eine Beige gestrichene Raufaser den letzten Wohnzustand wiedergibt, am Südgiebel sind noch Schatten eines Bettes zu sehen daraus ist zuschließen das hier mal ein Schlafzimmer war. Die Projektarbeit befindet sich auf der Südwestlichen Wand und kam nach einer Stratiegrafie unter sechs Tapeten und Fragmenten eines Blautones zum Vorschein. Ursprünglich war dieses Zimmer mal komplett in der Walzenmustertechnik bis 2m Höhe gefasst welche durch ein umlaufendes Band abgeschlossen wurde. Der Grundton ein Rotbraunes blumiges Muster auf einem Ockerbeigen Untergrund. Die Wände waren nicht Superglatt sondern es wurde direkt auf dem Kalkputz gearbeitet auch sind sie leicht buckelig. An der Südwestwand befand bis vor kurzem noch ein Kamin so das man in diesem Bereich bis auf das Lehmmauerwerk gucken kann. Auch die Nordwand mit der Tür mit dem Heizkörper wird demnächst weichen müssen. Durch die Projektarbeit möchte ich das alte Flair welches der Raum vermutlich in den 20 ziger Jahren mal hatte wieder herstellen und die Walzenmustertechnik ihren alten Scharm wiederbekommt denn noch große Teile davon sind noch in diesem Raum unter den Tapeten erhalten.
Auf den folgenden Seiten werden die Geschichtsspuren der Projektarbeit erläutert zur besseren Übersicht und Verständnis habe ich die untere Zeitleiste eingefügt. Die Geschichte der Fassungen und Beschichtungen beginnt aber erst 1913 bis 1920 auch wenn schon vorher Leute in diesem Raum gewohnt haben weil in diesem Zeitraum der Rittergutsbesitzer Schulze Dellweg den Hof übernahm (s. Seite 11) und große Umbaumaßnahmen begonnen wurden und der alte Kalkputz ungefähr in diesen Zeitraum aufgezogen wurde.
| Befunde 1-5 | Raufaser und Tapeten |
| Befund 6 | Leimdrucktapete |
| Befund 6a | Fragmente Leimfarbe |
| Befund 7 | Walzenmustertechnik mit Abschlussband |
| Befund 8 | Gräulicher Kalkanstrich Decke |
| Befund 9 | Lehmzieglen |

Eine Nutzung des Hofes über Generationen hinterlässt natürlich auch einiges an Spuren auf den ersten Blick abzulesen an den Staubschatten an der Wand. Was uns einen Aufschluss darüber gibt wie dieses Zimmer zum Schluss genutzt wurde. Der Schmutz. - u. Staubrand an der Südlichen Wand lässt höchstwahrscheinlich vermuten dass sich hier ein Schlafzimmer befand.
Die Bettumrandung ist noch deutlich zu erkennen.

Südwand
Doch durch die Umbaumaßnahmen und den entfernten Gebäudeteilen sowie der Freilegungen lässt sich wesentlich mehr ablesen welche Entwicklung dieser Raum im laufe der Jahrzehnte durchlaufen hat. Wir starten unsere Zeitreise in der Gegenwart und bewegen uns zurück in die Vergangenheit. Der Raum ist wie auf dem oberen Foto zu erkennen mit einer Raufaser beklebt und dann einmal mit einer gelblich - beigen Dispersionsfarbe überstrichen worden. Die Körnung ist eine Erfurtraufaser 40ziger Körnung.
Einteilung der Tapeten nach DIN 18366. Raufaser mittelschweres holzartiges Papier, Oberfläche durch Zusätze auf 40 ziger Körnung strukturiert.


Sie wurde mit einer normalen waschbeständigen Innendispersion überstrichen.
Nach DIN 18366 Fondtapete: In diesem Fall Leichtes , mittel-. bis schweres Holzfreies Papier mit Grundfarbe und Muster bedruckt, gaufriert (d.h. feine Narbung oder Musterung im Papier) in diesem Fall eine leichte Kettfadenprägung um eine Textiltapete zu imitieren.

Nach DIN 18366 Fondtapete: Hier Leichtes , mittel-. bis schweres Holzfreies Papier mit Grundfarbe und Rötlich dominanten Muster bedruckt, gaufriert

Nach DIN 18366 Fondtapete: In diesem Fall Leichtes , mittel-. bis schweres Holzfreies Papier mit Grundfarbe und vertikalen Muster und Florahlen Motiven bedruckt, Wellenförmig gaufriert.

Nach DIN 18366 Relieftapete mittelschweres holzhaltiges Papier mit Pastoser Farbe bedruckt.

Nach DIN 18366 Fondtapete: In diesem Fall Leichtes , mittel-. bis schweres Holzfreies Papier, glatt mit einem vertikal gestreiften und Florahlen Motiven im Leimfarbendruck bedruckt. Die Besonderheit bei dieser Tapete liegt darin das sie gut unter der fünften Tapete (Befund Nr.5) klebte und durch Zufall am Schreibtisch entdeckt wurde durch Auflage eines Japanpapiers und guter Befeuchtung lies sie sich aber gut von überlagerten Tapete lösen. Diese Tapeten hatte vermutlich noch die Schutzstoßkanten (Selfkanten) links u. rechts 1,5 cm die vor dem tapezieren trocken entfernt wurden seit ca. 1966 werden die Tapeten in Folien eingeschweißt und es gilt das Maß der Europa-Rolle 10,05m *0,53m.

Blauer Leimfarbenanstrich in Fragmenten über der Walzenmustertechnik vorhanden.

Walzenmustertechnik welche im oberen Bereich durch ein umlaufendes Band abgeschlossen wurde.

Direkte Anstrichtechnik auf dem Kalkputz ist die Walzenmustertechnik welche früher mal den ganzen Raum geschmückt hatte, nicht nur diesen auch das Nachbarzimmer wurde mit dieser Technik versehen.
Passender gräulicher Wandfries-. und Deckenanstrich zur Walzenmustertechnik

Auf diesem Foto ist zu erkennen dass der Kamin erst nach der Walzenmustertechnik und Tapezierung eingezogen wurde. Auch ist es gut an dem grauen PU-Rohr im Hintergrund abzulesen, welche erst in den 50 ziger Jahren in unserer Region ihre Verbreitung fanden.
Anhand der Stratigrafie wurde auf der Gipskartonwand keine Walzenmustertechnik gefunden also ist diese erst viel später eingebaut worden außerdem fand der Gipskarton erst in 50 ziger Jahren in unserer Region Verbreitung. Folglich musste dieser Raum ursprünglich eine ganz andere Größe haben, die Wand wurde im Zuge der Umbaumaßnahmen wieder entfernt wurde (auf Seite 17 ist diese noch zu sehen). Nahtstelle.

Durch die Umbauten nicht nur in diesem Raum sondern auch in anderen Teilen des Gebäudes wo die Arbeiten schon wesentlich weiter fortgeschritten sind lässt sich sehr gut ablesen wie die Wände und die Westwand sich aufbauen.

Die Deckenbalken wurden in den oberen Räumen ebenfalls verputzt und mit Raufaser beklebt sowie mit einer dunkeln Dispersion gestrichen.
Die Füllung der Gefache erfolgte im Innenbereich durch Lehmziegel welche im Ständerbereich einen Armierungsträger aus Strohmatten bekamen.

Anschließend wurden Ziegel und Ständerwerk mit Lehm verputzt wie auf diesem Foto sehr deutlich zu sehen ist, darauf folgte ein Kalkputz und sehr viel später der Feinputz der auch die Walzenmustertechnik überlagert. Dieser Feinputz diente als Untergrund für die Tapeten.

Im Deckenbereich sehen wir die Abfolge der Anstriche einen Kalkanstrich der wahrscheinlich der Anstrich zur Walzenmustertechnik gewesen sein muss. Darüber einen blauen Leimfarbenanstrich mit welchem der gesamte Raum gestrichen war über der Walzentechnik sehen wir noch Reste dieser Leimfarbe (Genauer zu sehen bei den Handwerkstechniken).

Bei diesem Bruchstück welches sich hinter dem Kamin befand sehen wir auch das dazugehörige Abschlussband zur Walzenmustertechnik.
Was bei dieser Vergrößerung gut zu erkennen ist oder am Objekt selber, die Lichtleitungen wurden erst nach dem Kalkputz verlegt. Vermutlich bekamen die Räumlichkeiten in den 50 zigern Jahren des 20. Jahrhunderts eine völlig neue Installation Elektro-. wie Wasserversorgung. Ob auch die Gipskartonwände eingezogen wurden muss noch geklärt werden.

Zur besseren Orientierung habe ich unten noch einmal ein Foto der Projektarbeitswand eingefügt dieses wiederholt sich bei den anderen Legenden und soll ein hin-u. herblättern vermeiden.


| Lehmziegel | ![]() |
Feinputz | ![]() |
| Lehmverputz mit Stroh | ![]() |
Riss mit gipshaltiger Spachtelmasse | ![]() |
| Kalkputz | ![]() |

| Fragmente Leimfarbe | ![]() |
Gräulicher Kalkanstrich | ![]() |
| Elektroleitung | ![]() |
Tapeten | ![]() |
| Walzenmustertechnik | ![]() |
Blaue Leimfarbe | ![]() |

6 Lagen Tapeten angefangen bei der Raufaser über die Papierdrucktapeten bis hin zur Leimdrucktapete diese werden bei den Geschichtsspuren ausführlich beschrieben.

Hinter dem ehemaligen kamen die Verfüllung der Gefache mit Lehmziegel und die Strohmattenarmierung zum Vorschein.


Im mittlern Wandbereich wurde der Senkrechte Konstruktionsriss mit einer Handelsüblichen gipshaltigen Spachtelmasse überputzt. Ein Armierungsgewebe war hierunter nicht zu finden den dann müssten die Ränder der Spachtelmasse ausgefranste Fasern haben außerdem zeichnet sich der Riss auch wieder ab.
Anstriche auf dem Kalkputz unten Kalkfarbe wie Walzenmustertechnik und links oberhalb des Abschlussbandes die gräuliche Kalkfarbe darüber der blaue Leimfarbendeckenanstrich mit welcher ursprünglich der gesamte Raum übertüncht war.

Elektroinstallationen welche erst in den 50zigern eingebaut wurden.

Deckenholzbalkenträger aus Eiche wurde verputzt, und Reste von Kalk. bzw. Leimfarbe aufweisen und hinterher mit einer Raufaser überklebt wurde. Die Fußleisten sind wie der Fußboden ebenfalls aus Holz.




| Tapeten | ![]() |
Lehmverputzung mit Stroh | ![]() |
| Kalkputz | ![]() |
Feinputz | ![]() |
| Gipshaltige Spachtelmasse | ![]() |
Holzbalken | ![]() |
| Elektro | ![]() |

Gefache im Ständerwerk (hier schön an der Außenwand zu sehen) mit geflochtenen Weidenruten und Lehmbewurf

darauf kommt dann die Lehmverputzung welche mit Strohhäcksel vermengt und deren Oberfläche mit einer Kelle aufgeraut wird um einen mechanischen Verbund zum nachfolgenden Putz zu schaffen.

Kalkputz welcher als Träger für den Anstrich und teilweise für den Feinputz und die Tapezierung dient.

Zu dem Kalkputz habe ich mir aus Putzresten welche nicht mehr tragfähig waren eine Sieblinie erstellt und bin dabei zu folgender Schlussfolgerung gekommen das dieser Putz aufgrund des geringen Anteils an groben Körnern vermutlich in nur zwei Arbeitsgängen aufgetragen wurde. Wir haben hier einen grobkörnigen Spritzbewurf und einen Einlagigen Kalkputz welcher wohl aus Kostengründen nur Einlagig aufgetragen wurde. Ein Labortest könnte hierüber mehr Licht ins Dunkel bringen.
100 % = 54g Originalsubtanz
Anteil Sandkörner < 2mm 92,5%
Anteil Sandkörner 2 -4 mm 5 %
Anteil Sandkörner > 4 mm 2,5%
Die nun folgende Walzenmustertechnik wurde in zwei Arbeitsgängen aufgetragen den Ockerfarbenen Grundton in Fresko also Kalkanstrich in den noch frischen Deckputz. Erster Test mit Salzsäure dieser schäumte stark auf, reagierte nicht auf Salmiak und meiner Spucke (Wissenschaftlich ausgedrückt Speicheltest) was auf eine Kalkkaseinfarbe schließen lässt.
Der Abrollfarbton der Walzenmustertechnik reagierte auf Salmiakgeist was unter anderem auf Leinölfirnis schließen lässt und lies sich auch mit Speichel verwischen. Ein Test im Labor auf Stickstoff, Phosphor und Schwefel gibt Gewissheit ob es sich hier tatsächlich um eine Kalkkaseinfarbe handelt denn diese Elemente kommen auch in Kasein vor.
Walzenmustertechnik hier einmal auf Originalgröße anhand eines Musterstückes skaliert.

Walzenmustertechnik welche zu großen Teilen unter dem Feinputz vorhanden ist Diese wurde mit einem so genannten Walzenmusterapparat aufgetragen. Hierbei wird eine Positivwalze wie beim Kartoffeldruck die sich in einem Holzkasten befindet mit Farbe getränkt und gleichmäßig Senkrecht von oben nach unten über die Wand abgerollt. Auf Seite 51 wird diese Technik und ihre Geschichte genau erklärt.

d.h. für die Walzenmustertechnik wurde Umbra natur verwendet in hellerer Abstufung und für den Leimfarbenanstrich Ultramarinblau.
| Handmischungen in Dispersion Hintergrundfarbton Walzentechnik 95% Weiß 5 % Ocker 1% Umbra 1% Rotbraun |
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| Walzenfarbton 95% Rotbraun 5% Umbra |
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Da man den Walzenapparat mit der Rolle nicht oben in der Ecke scharfkantig ansetzen kann
stellte ich die Vermutung an das oben an der Wand ein Streifen sein musste nach der
Freilegung betätigte sich mein Verdacht.
Die Walzenmustertechnik wurde im oberen Wandbereich ca. 20 cm 2,5 cm breit unterhalb der
Decke mit einem Pinsel gezogenen Abschlussband und Lineal abgeschlossen. Dieses musste
Umlaufend gewesen sein denn später fanden sich unter dem Kamin Fragmente dieses Bandes.

Der dazugehörige Deckenanstrich ist ein hellgrauer Kalkanstrich welcher mit einer Deckenbürste aufgetragen wurde. Dieser Anstrich ist größtenteils mit einer reversiblen Leimfarbe überstrichen worden und durch abwaschen wieder zum Vorschein zu bringen.

| Handmischungen Hellgrauer Kalkanstrich 95% Weiß 5 % Umbra |
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| Leimfarbenanstrich 65% Weiß 20% Blau 15% Rotbraun |
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Zu einem späteren Zeitpunkt wurde der Raum mit einer blauen Leimfarbe (lies sich mit Wasser ohne weiteres anlösen) komplett übertüncht, dieses ist noch sehr gut an der decke zu erkennen und an den Fragmenten über der Walzenmustertechnik.

Blaue Leimfarbe und Fragmente



| Walzenmustertechnik | ![]() |
Rotes Abschlussband | ![]() |
| Gräulicher Kalkfarbenanstrich | ![]() |
Blauer Leimfarbenanstrich | ![]() |
| Lehmverputzung | ![]() |
Kalkputz | ![]() |

Aus den Arbeiten des Freilichtmuseums Hessenpark
Matthias Stappel, Laubweg 5, 61267 Neu-Anspach, Tel.: 06081/588-149 FAX -150, Mail: m.stappel@hessenpark.de
Walzmuster und Musterwalzen - Aus dem Bestand des Museums
Matthias Stappel
Geschichtliche Entwicklung
Die Herstellung von Musterwalzen wurde, mit wenigen Ausnahmen, der Industrie überlassen.
Vertreter handelten mit diesen Walzen und Geräten, unterstützt durch Musterkarten und -
proben. Die älteste Patentschrift eines Walzapparates stammt von 1879. Die ersten
Walzapparate bestanden aus einem einfachen Bügel, in dem eine Muster- und eine
Schaumstoffwalze eingespannt war. Die Schaumstoffwalze hatte die Aufgabe die benötigte
Farbe aufzunehmen und auf die Musterwalze zu übertragen. Es konnte aber auch eine
Übertragungswalze zwischen den beiden Walzen liegen, welche die Farbe auf die
vorstehenden Muster gleichmäßiger übertrug.
Anfangs bestanden die Musterwalzen aus einem harten Material, beispielsweise Hartgummi, später waren sie aus einem elastischen Material, wie Schaumgummi, Weichgummi und anderen Kunststoffen, aber auch Filz und Leder. Der Grundkörper war in den meisten Fällen aus Holz, welcher dann mit dem erhabenen Muster aus elastischem Material überzogen wurde. 1921 wurde ein Patent auf eine Walze angemeldet, welche auf einem Holzkern ein mit Kautschuk überzogenen Filz hatte. Die Muster waren sehr elastisch, ausreichend widerstandsfähig, wegen des Kautschuküberzugs, und blieben scharf.
Erst in den 1930er Jahren kamen Geräte mit Farbkasten auf. Jetzt konnten bis zu drei Bahnen mit einer Füllung aufgetragen werden. Bei besseren Geräten war der Farbkasten wie eine Art Pendel aufgehängt, so dass der Kasten immer senkrecht hing und keine Farbe herauslaufen konnte. Dieses Modell setzte sich wegen seiner praktischen Handhabung durch. Erst nach dem 2. Weltkrieg war ein Mehrfarbendruck möglich. Bei diesen Geräten bewegten sich zwei oder mehr Musterwalzen synchron, welche durch unterschiedliche Schwammwalzen und Kästen gespeist wurden, so dass verschiedene Farben benutzt werden konnten. Speiseschwammapparate (ohne Farbkasten) konnten in Ecken, bei kleinen Flächen und an schwer erreichbaren Stellen eingesetzt werden. Walzmuster waren sehr beliebt, da sie schnell und kostengünstig, auch von Laien (besonders in den 1950er Jahren) eingesetzt werden konnten. Sie dienten als Tapetenersatz, da Tapete entweder zu teuer oder technisch nicht ausführbar war (zu feuchte Wände, Schimmelgefahr). Nach einem Rückgang in den 1970/80er Jahren wurden die Musterwalzen wieder entdeckt und heute gibt es sie sogar in manchen Baumärkten.
Auftragstechnik
Mit Musterwalzen konnten keine große Motive, wie bei Schablonen, erreicht werden, da die
Bemusterung von der Breite (14-15 cm bzw. 20 cm) und dem Umfang (14-15 cm bzw. 22 cm)
der Musterwalze abhängig war. Große und eng zusammen liegende Muster hatten einen
großen Farbverbrauch. Eine Erleichterung bei der Fortführung des Rapports sollte eine +/-
Markierung am Rand der Walze schaffen. Die Qualität der Walzen war sehr unterschiedlich,
wodurch der Rapport ungenau war und dies ein unregelmäßiges Muster zur Folge hatte.
Verwendet wurden hauptsächlich Leimfarben, welche dünnflüssig sein sollten. Heute
verwendet man dafür Farbenleim, eine spezielle Art Tapetenkleister, welcher auch bei
Schablonenmustern angewendet wird. Es waren aber auch Ölfarben möglich Bei den
Walzmustern musste die Höhe der zu bemusternden Fläche festgelegt werden. Die einzelnen
Bahnen zog man von oben nach unten nebeneinander. Bei Speiseschwammwalzen wurde
oben mehr Farbe als unten aufgetragen, so dass der obere Teil immer dunkler erschien. Je
länger die Bahnen waren, um so komplizierter wurde es den Walzapparat gerade zu führen.
Farbspritzer waren kaum zu vermeiden und unebene Wände bewirkten eine nicht vollständige
Bemusterung der Fläche, die dann teilweise von Hand ergänzt werden musste. Bei
Walzapparaten behinderte der Farbaufnahmekasten die Musterung bis in die
Ecke. In der Endphase der Walzen gab es Eckwalzen mit einer Schaumgummiwalze, welche
mit Farbe getränkt wurden und somit einen gleichmäßigen Musterauftrag ohne hinderlichen
Farbkasten gewährleisteten. Diese Muster bestanden oft nur aus Streifen, welche nicht zum
Wandmuster passten.
Wandgestaltung um 1900
Die Dekorierung der Wandflächen richtete sich nach der Raumnutzung. In Fluren findet man
oft halbhohe, farbige Sockel (gerne aus Ölfarbe, da abwaschbar) mit einem Abschlussfries.
Die Wände des Wohnraumes waren mit einem Band in Farbe des Deckenanstrichs kurz unter
der Decke versehen. Dieser Streifen sollte das Zimmer optisch höher erscheinen lassen, einen
geraden Abschluss auch bei krummen Wänden garantieren und eine saubere Abgrenzung für
die bemusterte Fläche gewährleisten. Die Breite und Höhe der Abschlussfriese und
Deckenstreifen richteten sich nach der aktuellen Mode dieser Zeit.
Oft wurden auch Schablonen-Versetzmuster in Verbindung mit Walzmustern angewandt. Die
Walzmusterung bildete das Grundmuster, auf welches das Versetztmuster auf schabloniert
wurde. Walzmuster waren relativ klein und gaben dem Versetztmuster einen optischen Halt,
so dass der Eindruck einer Tapete erweckt wurde. Besonders in den 1950er Jahren waren
Linienmuster beliebt. Diese wurden in Pastellfarbtönen ausgeführt. Die begrenzende obere
und untere Abschlusslinie wurde dabei gerne in einem etwas kräftigeren Farbton ausgeführt.


Ich hatte den Autor dieses Artikels persönlich angeschrieben doch wie in dem Text zu lesen, ist auch hier keine genaue Stilistische Aussage möglich.
Sehr geehrter Herr Ullrich,
vielen dank für Ihr Interesse an Walzmustern. Das abgebildete Muster erinnert mich an die Zeit um
1930. Das Problem bei Musterwalzen ist ihre lange Haltbarkeit und lange Verwendung. Dies bedeutet,
dass eine solche Walze auch noch nach 1945 vereinzelt Anwendung fand und erst in den 1950er
Jahren nicht mehr modern genug war. Eine genauere stilistische Zeiteinordnung kann durch das
Tapetenmuseum in Kassel oder das Malermuseum in Hamburg erfolgen. Über den Walzapparat läßt
sich nicht viel sagen. Es war wahrscheinlich nur eine Musterwalze aus Gummi, welche durch eine -
mit Farbe getränkte - Schaumstoffwalze versorgt wurde. Die Einführung des heute üblichen
Pendelkastens erfolgte später. Bei den Walzenbreiten bzw. Durchmessern (entspricht dem Rapport)
gibt es zwei große Gruppen, zumeist um 14,5 cm breite Walzen mit einem Umfang von ca. 17 cm und
später 20 cm breite Walzen mit 22 cm Umfang. In unserem Bestand befinden sich 6 ähnliche
Blättermotiv-Walzen. Leider ist bei keiner dieser Walzen die ursprüngliche Herstellungsfirma bekannt.
Mit freundlichem Gruß
Matthias Stappel
Freilichtmuseum Hessenpark
Laubweg 5
61267 Neu-Anspach
Tel.: 06081/588-149 FAX -150
1 Grafik aus dem Malerlexikon Teil I
Abgeschlagener Putz durch entfernten Kamin rechts neben der Eingangstür in diesem Bereich existiert nur noch der Putzträger nämlich der alte Lehmverputz der Kalkputz wurde hier im Zuge der Restaurierungsarbeiten fast völlig mit abgeschlagen. D.h. der Putz wurde nur noch durch den Kamin an der Wand gehalten. Wir sehen hier noch einen Rest des Kalkputzes mit der Walzenmustertechnik.

Bruchstelle Kamin

Fehlender Feinspeis durch Freilegetechnik doch der Feinspeis musste zur Sichtbarmachung der Walzenmustertechnik freigelegt werden.

Loch im Lehmmauerwerk durch Freilegetechnik zur Prüfung der Bausubtanz

Hohlklingender und nicht tragfähiger Putz im oberen Wandbereich

Vermutlich Schiebungen in der Decke entsteht dadurch wenn die obere Decke nicht isoliert ist und der Raum beheizt und da der Raum zum Schluss Mehrfach mit einer Dispersionfarbe überstrichen wurde und der untere Putz ein Kalkputz ist bekam dieser kein Kohlendioxid mehr wodurch dieser dann zerstört und Mürbe wurde im oberen Wandbereich droht dieser In großen Flächen abzuplatzen bzw. wird dieser nur noch durch die Tapetenschichten auf der Wand gehalten.
Kleiner bauphysikalischer Senkrechter Riss in der Wand der vom Boden bis zur Decke hoch reicht die Vermutung liegt nahe das direkt hierunter ein Ständerbalken steht und es dadurch zu Spannungen im Mauerwerk und Putz kommt. Wenn hier die Armierung fehlt kommt es dann zur sichtbaren Rissbildung.

Hier im Nachbarzimmer welches sich momentan im Rohbauzustand befindet ist es sehr schön zu sehen wie der Deckenbalken auf dem Ständerbalken aufliegt.


| Fehlendes Mauerwerk | ![]() |
Abgeschlagener Putz | ![]() |
| Nicht tragfähiger Kalkputz | ![]() |
Setzrisse | ![]() |
| Fehlender Feinputz | ![]() |

Da sich die Fotos hier wiederholen würden habe ich auf eine weitere Legendenerklärung verzichtet Die Tapeten werden hier jetzt nicht aufgeführt da sie später entfernt werden mehr dazu im Restaurierungskonzept unter Maßnahmen Teil D.
| Beschädigte Walzenmustertechnik | ![]() |
Beschädigter Kalkanstrich Deckenfries | ![]() |

Bis hier her kennen sie die Geschichtsspuren, Materialen, Handwerkstechniken und Schäden an der Wand doch zeigt dieses nur den Ist-Zustand an nicht aber wie der Denkmalpfleger damit umgeht denn dieser erstellt zu jedem Objekt ein Restaurierungskonzept welches nach folgende Kriterien ein Objekt auswertet.
1) Bewertung der Geschichtsspuren
Was ist Erhaltungswürdig
2) Technologische Bewertung
Was ist Erhaltungsfähig
3) Geplante Nutzung des Objektes
Was möchte der Nutzer
1)
Was ist unbedingt für die Nachwelt Erhaltenswürdig und Geschichtlich so wertvoll das wir es Konservieren, Restaurieren und wie später im Restaurierungskonzept erläutert gar Rekonstruieren müssen. Dieser Abschnitt beschreibt die Sichtweise eines Denkmalpflegers. Zur besseren Übersicht wird hier noch einmal die Zeitleiste mit der Zuordnung der Befunde eingefügt.

Wir beginnen hier von oben nach unten wo wir als erstes die Raufaser sehen, sie wird nach wie vor noch verarbeitet und spielt geschichtlich eine eher untergeordnete Rolle die Gebrauchsspuren sind fotografisch festgehalten und bleiben so der Nachwelt erhalten.

Bei den Tapeten Befund 2 bis 5 handelt sich um Textil. - u. Papiertapeten der jüngeren Vergangenheit die bis in die 60 ziger Jahre des 20. Jahrhunderts zurück reichen Diese Muster sind heute nicht mehr im Programm der Hersteller und wurden in großen Mengen produziert aber aus Sicht des Denkmalpflegers stellen diese Tapeten wohl eher ein Massenprodukt dar und sind eigentlich nichts Besonderes. Außerdem habe ich Rapporte dieser Tapeten retten können sie werden eingeschweißt sowie vor Sonnenlicht geschützt und im Museum hinterlegt, so das sich Interessierte ein Bild von der Geschichte des Raumes durch die Jahrzehnte machen können.
Befund 6
Fest verbacken mit der 5 Tapete befindet sich unterhalb dieser eine Leimdrucktapete welche durchaus erhaltenswürdig wäre dieses Druckverfahren ist heute nicht mehr üblich. Aber sehr wahrscheinlich ein Massenprodukt der 50 ziger Jahre und nur vom Druckverfahren her interessant.

Tapete Nr. 5 Tapete 6 (Leimdruck)
Die rechte Tapete musste von der linken mit einem Japanpapier gelöst werden
Da wir uns aber nur auf eine Maßnahme beschränken können siehe Restaurierungskonzept, wird auch diese Tapete entfernt, Alternativ wird diese aber bei den Denkansätzen noch einmal aufgeführt.

| Befund 7 Die Walzenmustertechnik ist noch in großen Teilen sehr gut erhalten doch wurde sie hinter dem Kamin mit samt dem Putz abgeschlagen und muss hier wie auch anderswo in Teilbereichen rekonstruiert werden. Sie ist auch die älteste noch vorhandene Handwerkstechnik in diesem Raum und dieses Muster ist heutzutage gar nicht mehr vorhanden. Sie erforderte einiges an Fingerspitzengefühl und hat einen schmückenden tapetenähnlichen Charakter. | ![]() |
Befund 8
Das Abschlussband ist überall dort zusehen wo natürlich auch die Walzenmustertechnik noch Vorhanden ist, sie folgt dieser wie ein roter Faden und ist noch mal zur Wiederholung als Konstruktiver Abschluss gedacht, hatte aber auch einen optischen Effekt durch den darüber befindlichen Wandfries wirkte der für unsere Verhältnisse niedrige Raum höher.

Der Fries und die Decke wurden passend dazu mit einer Umbra getönten Kalkfarbe grünlich-grau gestrichen es ist deshalb der passende Anstrich weil Walzenmustertechnik und Deckenanstrich im gleichen Farbsystem Fresko gestrichen wurden und zwar in Kalk und fällt dadurch geschichtlich in den gleichen Zeitraum. Hier Rot umrandet.
![]() |
Der alte Dielenfußboden kam nach der Entfernung der darüber liegenden Bretter wieder zum Vorschein und wurde mit einer roten Ölfarbe gestrichen. Was man auch hier schön sehen kann ist die Strohmattenarmierung direkt über dem Boden. |
Befund 9
Rechts im Bild sehen wir noch einmal den Träger des Kalkputzes und zwar den Lehmputz welcher direkt auf das Mauerwerk aufgeputzt wurde. Dieser wird wieder mit dem Kalkputz überputzt werden müssen weil wir hierauf später unsere Walzenmustertechnik rekonstruieren möchten.

Die Deckenbalken wurden später mit einer Raufaser 52 ziger Körnung überklebt und dunkel mit einer Volltondispersionsfarbe überstrichen um die Balken deutlich hervor zu heben denn ein völliges Freilegen des Putzes kam wohl nicht in Frage man wollte damit dem Raum einen rustikalen Charme geben und Fachwerkbalken andeuten. Die Raufaser ist wie bei Befund 1 geschichtlich uninteressant.
Das Mauerwerk unterhalb der Verputze bleibt auf jeden fall bestehen. In anderen Räumlichkeiten musste dieses teilweise entfernt werden.
2)
Bewertung des technischen Zustandes
Nicht alles was Erhaltenswürdig ist auch Erhaltungsfähig denn der Sonderfachmann sieht das Objekt wieder mit anderen Augen als der Denkmalpfleger auch wenn dieser ein und dieselbe Person sein können. 200 Jahre Geschichte haben auch in diesem Raum ihre Spuren hinterlassen und nichts ist mehr so tadellos wie es mal war.Die Tapeten sind wie gesagt gut erhalten von ca. 60 % bis max. 80% der Wandfläche
teilweise wurden diese von Fachleuten sprich Malern tapeziert andererseits aber auch sehr
Laienhaft von den Bewohnern selbst zumindest bei der Raufaser.
Auch wenn diese Tapeten alle noch Intakt sind und sich von den Rapporten her noch
rekonstruieren lassen obwohl auch hier einige Bahnen oder gar Rollen fehlen. Aber bei der
Bewertung der Geschichtsspuren haben wir festgestellt das diese nicht Erhaltenswürdig sind.
Was aber noch hinzu kommt die Atmungsaktivität des Kalk- und Lehmputzes wird durch die
Tapeten und vor allem den Dispersionsanstrichen auf der Raufaser stark eingeschränkt und
kann diese Putze Mürbe machen.
Der Feinputz wäre zwar noch trägfähig und für Anstriche und Tapeten als Untergrund geeignet, doch ist er auch in größeren Teilen beschädigt. Außerdem bedenke ich das der Feinputz aufgrund der Unterschiedlichen Härtegrade ein Problem darstellen könnte, Harter Putz auf weichem Putz auch wenn der Feinputz eine geringe Schichtdicke aufweist.
Der Blaue Leimfarbenanstrich ist nur noch Fragmenten vorhanden und wird bei den Restaurierungsarbeiten verloren gehen weil er eine schlechte Haftung besitzt und durch Wasser angelöst werden kann verloren.
Die Walzenmustertechnik ist in großen Teilen noch erhalten, teilweise leicht schimmernd aber es sind auch größere Stücke durch damalige Umbaumaßnahmen unwiederbringlich verloren gegangen und müssen Rekonstruiert werden. Aber die Gesamtheit der intakten Fläche ist immer noch so authentisch das sich ein restaurieren dieser Technik durchaus lohnt ca. 70% auf dieser einen Wandfläche wären unter dem Feinputz noch erhalten.
Das Abschlussband im oberen Wandbereich ist teilweise beschädigt und ruht quasi auf
tönernen Füssen (auf der Westwand) denn der Kalkputz und damit Träger des Bandes und
Teile der noch anschließenden Technik sind nicht mehr Tragfähig.
In meinem späteren Denkansatz a möchte ich aber dennoch eine Rettungsmaßnahme für
diesen Putz erstellen (Möglichkeiten der Putzfestigung).
Der gräuliche Kalkantrich welcher den Wandfries bildet ist stark beschädigt er wurde überputzt, überstrichen und haftet ebenfalls auf dem desolaten Putz. Bei dieser starken Beschädigung und vor allem bei der eigentlich simplen Ausführung ist eine Rekonstruktion dieses Anstriches eher Sinnvoller.

Der Kalkputz weißt beschädigen dreierlei Art auf Senkrechter Riss in der Wandmitte muss auf jeden fall armiert werden, schlechte Anhaftung im oberen Bereich er wird an diesem Teil der Wand nur noch von den Tapeten gehalten und völliges Fehlen des Putzes im ehemaligen Kaminbereich an den anderen Wänden ist dieser Putz noch intakt.
Lehmverputzung mit Stroh ist bis auf die bereits begonnenen Umbaumaßnahmen (Löcher im Verputz, im Kaminbereich ehemaliger Gipskarton fehlende Armierung) in einem noch guten Zustand und dient als Putzträger für den Kalkputz.
Versorgungsleitungen hier Elektrotechnik wäre zwar noch in Ordnung muss aber aufgrund der neuen Nutzung und den Anforderungen neu verlegt werden um nicht in die Bausubtanz einzugreifen werden hier die Installationen mittels Kabelkanälen überputz verlegt.
3)
Nutzung des Raumes
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Der Emscherquellhof soll später als Tagungsstätte genutzt werden wo hauptsächlich Seminare und Tagungen der Emschergenossenschaft stattfinden. Ein Teil aber wird später als Museum genutzt. Der Raum 5 im Obergeschoss bietet einen hervorragenden Ausblick auf die Emscherquelle so das dieser Raum als Büro für den Ausbildungsleiter gedacht ist dann sitzt dieser sozusagen direkt an der Quelle Da die Gipskartonwand entfernt wurde wird dieser Raum mit dem Nachbarraum Nr.2 zusammengefasst und bekommt dadurch die doppelte Größe der Raum Nr. 5 wäre für sich allein als Büro wohl zu klein da von heutigen Büroräumen Mindestgrößen gefordert werden. |
| Beim betreten des Raumes soll sich der Besucher auf eine Zeitreise begeben und soll einen Einblick in die 20 ziger und 30 ziger Jahre des 20. Jahrhunderts auf einen typischen Hellweg Bauernhof bekommen. Das diffuse Licht was durch die kleinen Sprossenfenster hereinströmt und durch die großen Bäume davor noch zusätzlich gebrochen wird, den Dielenboden mit seinem charakteristischen Trittschall die Gestaltung der Wände und zwar in der Walzenmustertechnik und der Decke mit ihrem leicht gräulichen Kalkanstrich geben den Betrachter ein Gefühl nicht in einem modernen Büro zu sitzen sondern in einem Raum welcher wie das Gebäude und die Umgebung drum herum Geschichtsträchtig ist. | ![]() |
Aufzeichnung verschiedener Denkansätze
Hier möchte ich verschiedene Möglichkeiten vorgeben letztlich muss ich mich aber auf eine Maßnahme beschränken. Die Walzenmustertechnik kann Rekonstruiert oder aber freigelegt und nur teilweise rekonstruiert werden. Ich zeige hier aber auch eine Variante wie der Raum mit der Leimdrucktapete erhalten bleiben könnte.
Denkansatz a)
Darstellung der Erstfassung des Raumes von ca. 1920. Dieser Denkansatz wird aus Kostengründen aufgezeigt um dem Nutzer eine günstige Variante der Maßnahmen vorzulegen Die Maßnahmen beziehen sich auf die großflächige Rekonstruktion der Walzenmustertechnik wobei die schon freien Teile dieser Technik bestehen bleiben und nur Konserviert werden. Da der Kalkzementputz als Anstrichträger erhalten bleibt, können wir auch Irreversibel arbeiten da das Original unter dem Putz immer noch da ist. Zu Erreichung dieses Denkansatzes werden folgende Maßnahmen zum besseren Verständnis aufgelistet und erklärt.
- Die Tapeten müssen auf jeden fall entfernt werden um an den Feinputz zugelangen auch wenn noch große Teile der Tapeten erhalten sind. Nun da die Putzflächen jetzt freiliegen können wir uns ein weiteres Bild der Putzschäden machen da wir die Arten schon erfasst haben verändern sich hier nur die Massen d.h. Hohlklingender Putz, Risse und fehlender Kalkputz. Anstrichschäden an Decke und Wänden werden jetzt sichtbar.
- Der Feinputz wird in hier aus Kostengründen nicht entfernt und bleibt als Anstrichträger für die Rekonstruktion der Technik bestehen. Die Fehlstellen müssen allerdings beigeputzt werden.
- Ob Rekonstruktion oder Restaurierung der Feinputzträger siehe auch Kalkputz muss gefestigt und repariert werden d.h. der Lehmputz muss als erstes beigeputzt (Mit artgleichem Material).
- Der Kalkputz im Kaminbereich wird nach Befund neu aufgebaut Spritzbewurf, und wie in diesem Fall einlagiger Deckputz.
- dann wird der Kalkzementputz sprich der Feinputz ausgebessert auch dieser weist kleine bis große Schäden auf.
- Die Gipshaltige Spachtelmasse muss von der Wand entfernt werden weil sie überhaupt nicht in das Materialschema der Wand passt, besonders der Dispersionsanteil und vor allem die Rissbeseitigung nicht fachgerecht ausgeführt wurde.
- Risse werden mit dem Feinputz zusammen armiert (einlegen von Nesselband).
- Der Kalkputz im oberen Wandbereich kann Aufwendig gefestigt werden (festigen mit Kieselsäureester weil dieses Material am tiefsten eindringt) da aber der Kalkfarbenanstrich als nicht so Wertvoll anzusehen ist würde ich diesen lieber entfernen und den Anstrichträger in diesem Bereich neu aufbauen der Aufwand wäre ansonsten sehr hoch und würde dem einfachen Kalkanstrich nicht genügen.
- Die Decke und den Wandfries würde ich da die Anstriche nicht mehr tragen, besonders sei hier die Leimfarbe zu erwähnen abwaschen und abzuschleifen um hier einen Untergrund für unseren neuen Kalkkaseinfarbenanstrich zu schaffen.
- Dann streichen der Decke mit einer gräulichen Kalkkaseinfarbe.
- Abnehmen des Musters von der schon freigelegten Walzenmustertechnik und übertragen des Rapportes auf eine Rohling Gummirolle, anschließend mit einem Skalpell nachschnitzen des Rapportes.
- Auftragen der Walzenmusterstruktur in Kalkkasein mittels Walzenapparat von oben nach unten.
- Mit einem Malerlineal wird nun das Abschlussband gezogen.
Denkansatz b)
Ist die Kostengünstigste Maßnahme dieser Ansatz ist eine völlig neue Fassung des Raumes und zeigt nur in kleinen Spuren wie der Raum einmal ausgesehen hat. Der Raum wird hierbei nach Entfernung der Tapeten (schließlich könnten diese Blasen werfen) mit z.B. einer Beigen Silikatfarbe überstrichen um den Kalkputz nicht zu zerstören. Hierbei werden im Raum zwei Geschichtsfenster angelegt einmal im Friesbereich um die Friese darzustellen und im Wandbereich um die Tapeten zu zeigen welche diesen Raum einmal geschmückt haben. Jede Fassung bekommt eine Nummer um sie der jeweiligen Fassung auch zuordnen zu können. Behutsam legen wir Schicht für Schicht frei die Letzte wird mit einem Japanpapier gelöst um die Leimdrucktapete nicht zu gefährden.

Denkansatz c)
Befasst sich ausschließlich mit der dritten Fassung Stand 50 ziger Jahre und zwar mit der
Leimdrucktapete Befund Nr.6 die von Drucktechnik her interessant wäre da Tapeten
Heutzutage nicht mehr im Leimdruck hergestellt werden. Wie bereits bei den
geschichtlichen und technologischen Untersuchungen festgestellt sind zwar größere Teile
dieser Tapete vorhanden auch ein Nachdruck wäre durchaus möglich doch wäre dieser mit
einem hohen Kostenaufwand verbunden. Ich verweise hier nur einmal vergleichsweise auf
das Haus Rüschhaus zu Münster wo in einem Zimmer eine Tapete nach Original
rekonstruiert wurde die Kosten beliefen sich in diesem Fall auf stattliche 35000 DM nur
für die Tapete.
Außerdem sollte bedacht werden das die Tapetenoberfläche sehr verletzlich ist und auch
die Kleidung der Raumnutzer bei Berührung schaden nehmen könnte, in Form von
Verunreinigungen. Auch hier möchte ich die Maßnahmen kurz auflisten um den
Denkansatz zu verdeutlichen. Doch letztlich ist dieser Aufwand für eine Tapete aus
jüngster Vergangenheit schon Enorm und würde wahrscheinlich nicht genehmigt werden.
- wir entfernen alle oberen Tapeten Schicht für Schicht die letzte Tapete Befund Nr. 5 nehmen wir mit vorsichtig mit einem guten genässten Japanpapier ab und legen so die Leimdrucktapete frei.
- Im oberen Wand- und Deckenbereich verfahren wir wie in Denkansatz a.
- Ein größeres Stück der Leimdrucktapete müssen wir abnehmen um einen Rapport für den Nachdruck zu erhalten weil durch die vielen Umbaumaßnahmen einige Bahnen verloren gingen. Dieses Stück ist mit größter Sorgfalt zu behandeln (Original) da wir es später wieder an der alten Stelle einsetzen möchten.
- Der Putz muss auch hier beigearbeitet werden.
- Die Decke wird nun mit einer hellen Leimfarbe reversibel gestrichen
- Die bei geputzten Wandflächen werden vorher mit einem Altpapier makulatiert um einen gleichmäßig saugenden Tapetenuntergrund zu schaffen. Damals gab es noch keinen Tiefengrund und die Tapeten lassen sich auf einer makulatierten Fläche besser tapezieren.
- Die nachgedruckte Tapete muss nun vorsichtig in die Fehlstellen eingesetzt werden teilweise nur wenige cm² hier müssen wir unser Skalpell wieder in die Hand nehmen wir dürfen bei dieser Tapete weil das Muster sehr schnell verwischt nur mit wenig Kleister und Handschuhen arbeiten weil auch der Handschweiß das Muster verderben könnte.
Denkansatz d)
Ist wie im Denkansatz a die Erstfassung des Raumes zum Restaurierungskonzept doch kommt hier die gesamte Originalsubtanz der Walzenmustertechnik zum Vorschein wobei das fehlende wie im Denkansatz a Rekonstruiert werden muss. Wir müssen große Flächen freilegen was an sich schon eine sehr aufwendige Angelegenheit und damit auch sehr kostspielig ist. Andererseits komme ich zu dem Schluss das eine große Rekonstruktion wie bei a ebenfalls sehr Zeitaufwendig sein kann und die Freilegung des Feinputzes Zeitlich gesehen fast aufgeholt wird. Vor allem weil ich den Feinputz für bedenklich halte sollte dieser schon entfernt werden. Das größte Argument für Denkansatz d ist jedoch das der Erhalt von möglichst viel Originalsubtanz ganz im Sinne der Denkmalpflege steht und somit auch Authentisch die alte Fassung wieder gibt auch wenn dieser Weg teurer ist. Doch kann man den Nutzer durch ein sinnvolles Restaurierungskonzept wie in diesem Fall davon überzeugen mehr Gelder für die Restaurierungsarbeiten bereitzustellen. Zur Erreichung dieses Denkansatzes werde ich die Maßnahmen hier noch mal aufführen und sie können mit dem Denkansatz a verglichen werden dadurch wird vieles klarer, der Aufwand von D und A ist fast der Gleiche.
- Feinputzes entfernen: vorsichtiges Einschneiden und mit dem Skalpell seitlich den Putz heraushebeln damit die darunter liegende Walzenmustertechnik nicht beschädigt oder verkratzt wird.
- Decke wie in Denkansatz a behandeln.
- Putze werden behandelt wie bei Denkansatz a
- Reinigen der gesamten Vorhandenen Technik mit einem Opferschwamm genauer gesagt ein Wishabschwamm.
- Bei den Decken und den Wandfries entscheiden wir uns für einen neuen Rekonstruierten Kalkkaseinanstrich weil in diesem Bereich die Beschädigungen doch sehr groß sind und es sich hierbei um eine simple Technik handelt.
- Den Kalkanstrich für den Grundton der Walzenmustertechnik streichen wir Fresko auf den noch frischen Putz und Ausgespachtelten Stellen auf.
- Mit einer Schablone die wir vorher schon von der Wand abgenommen haben retuschieren wir die kleineren Fehlstellen wo wir mit unserem Walzenapparat nicht hinkommen mit einen feinem Malpinsel.
- Da es äußerst schwierig ist den Walzenmusterapparat nachzubauen und besonders mit dem gleichen Rapport entscheiden wir uns in diesem Fall wie bei den kleineren Fehlstellen für die Schablonentechnik da hiermit auch ein genaueres Nacharbeiten in der Originalfläche möglich ist wir sparen hier durch Zeit und Geld und bei einem behutsamen Umgang wird diese Ausführung wohl kaum von Technik mit dem Walzenmusterapparat zu unterscheiden sein.
- Abschnüren des Wandfrieses
- Mit einem Malerlineal ziehen wir wieder unser Abschlussband
Restaurierungskonzept
Denkansatz d ist bei diesem Objekt mein Restaurierungskonzept es wird die maximale Originalfläche konserviert und nur das fehlende Rekonstruiert, die Putzrestaurierungen sind bei jedem Denkansatz gleich und wie bereits erwähnt wird der Aufwand von d zu a bei der Walzenmustertechnik fast aufgeholt mit dem entscheidenden Vorteil das die Maßnahme fertig abgeschlossen sind und nicht ein paar Jahre später wieder aufwendig das Original freigelegt werden muss.
| Position | Beschreibung / Leistung | Einheit | Menge | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| 1,0 | Bestandsaufnahme/Dokumentation | |||
| 1,1 | Erstellen eines Verformungsgerechten Aufmasses im Maßstab 1:20 |
39 € Std. |
7 |
273 € |
| 1,2 | Zeichenmaterial | 20 € |
1 |
20 € |
| 1,3 | Bestandsaufnahme des Objektes nach folgenden Kriterien: Geschichtliche Befunde, technologische Befunde wie Handwerkstechniken, Materialen und Schäden erarbeiten des Restaurierungskonzeptes. |
39 € Std. |
75 |
2925 € |
| 1,4 | Begleitendes Dokumentation und führen eines Bautagebuches mit Zeichnerischer, fotografischer und schriftlicher Dokumentation. |
39 € Std. |
15 |
585 € |
| 1,5 | Zeichenmaterial/ Fotografische Mittel | 35 € |
1 |
35 € |
| 1,6 | Kontroll- und Pflegemaßnahmen | 150 € |
1 |
150 € |
| 2,0 | Vorbereitung | |||
| 2,1 | Einrichten der Baustelle und Abdecken des Fußbodens. |
39 € Std. |
2,5 |
97,5 € |
| 3,0 | Vorarbeiten | |||
| 3,1 | Tapeten entfernen 6 lagig | 15,3 € m² |
33,53 m² |
513 € |
| 3,2 | Feinputz entfernen | 39 € Std. |
17 |
663 € |
| 3,3 | Feinputz mit einem Wishabschwamm reinigen und abdecken. |
39 € Std. |
3 |
117 € |
| 3,4 | Risse aufweiten und fachgerecht verfüllen. |
39 € Std. |
5 |
195 € |
| 3,5 | Decke abwaschen und abschleifen. | 7 € m² |
13,72 |
96 € |
| 3,6 | Lehmmauerwerk u. Putz durch einen Sonderfachmann erneuern lassen |
42 € Std. |
8,5 |
357 € |
| 3,7 | Kalkputz neu aufbauen und Ausbrüche im Tagewerk beiputzen. | 39 € Std. |
20 |
780 € |
| Position | Beschreibung / Leistung | Einheit | Menge | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| 4,0 | Farbfassungen | |||
| 4,1 | Streichen der Decke mit Zweimaligen Kalkkaseinanstrich |
11,94 € m² | 13,72 m² | 163,8 € |
| 4,2 | Abnehmen des Rapportes der Walzenmustertechnik und anfertigen einer Schablone auf Karton. |
39 € Std. | 4 | 156 € |
| 4,3 | Streichen des Kalkputzes im Grundton Fresko und retuschieren der Ausbrüche. |
39 € Std. | 5 | 195 € |
| 4,4 | Schablonieren der Walzenmustertechnik und |
39 € Std. | 30 | 1170 € |
| 4,5 | Retuschieren der Ausbrüche. | 39 € Std. | ||
| 4,6 | Abschnüren des Wandfrieses. | 39 € Std. | 1 | 39 € |
| 4,7 | Ziehen des Abschlussbandes mit dem Malerlineal. |
39 € Std. | 3 | 117 € |
| 5,0 | Holzwerk behandeln. | |||
| 5,1 | Schleifen, auskitten, vorlackieren und Lackieren der Sprossenfenster Beidseitig. |
57 € m² | 6,6 m² | 376,2 € |
| 5,2 | Abschleifen des Dielenbodens | 8,24 € m² | 13,72 m² | 113,05 € |
| 5,3 | Auskitten des Dielenbodens | 7,25 € m² | 13,72 m² | 99,47 € |
| 5,4 | Grundieren, vorlackieren und lackieren des Dielenbodens. |
13,45 m² | 13,72 m² | 184,54 € |
| Gesamtsumme Netto: | 9420 € | |||
| + Mwst. 16% | ||||
| Gesamtsumme Brutto: | 10928 € |
Nach Einreichung des Kostenvoranschlages und Restaurierungskonzeptes beim Eigentümer
und der Denkmalbehörde wird nun der Auftrag zur Durchführung der Restaurierungsarbeiten
erteilt.
Mit dem zuständigen Architekten und dem Denkmalpfleger von der westfälischen
Denkmalbehörde werden alle Arbeiten noch einmal durch besprochen denn bei diesen
Maßnahmen müssen alle Beteiligten zustimmen. Jeder Punkt wird noch mal durchleuchtet, es
könnte ja sein das etwas Wichtiges übersehen wurde und dieses später einmal zu Fehlern und
Schäden führen könnte. Außerdem werden alle Materialien Labortechnisch untersucht um
absolut sicher zugehen das bei Restaurierung mit Artgleichem Material gearbeitet wird
ansonsten drohen später Abplatzungen und Plombeneffekte.
Nach dem die Baustelle eingerichtet wurde, alle Werkzeuge und die hierfür nötigen
Materialien zur Verfügung stehen können nun die Arbeiten beginnen. Bei einer
durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden und den Trocknungszeiten benötige ich
für die Arbeiten 3 ½ bis 4 Wochen wenn ich diese Maßnahmen alleine durchführe. Das mag
erst sehr hoch klingen aber die Retuschen und das Schablonieren sind doch sehr Zeitaufwendig
außerdem stützt sich mein Restaurierungskonzept auf die bis jetzt freigelegten Stellen
das wahre Schadensbild zeigt sich erst wenn die Tapeten entfernt wurden und der Feinputz
entfernt wird. Da mir im diesen Bereich die Erfahrungswerte fehlen setze ich die Zeit höher
an um mich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen.
Zwischenzeitlich haben wir schon einmal den Kalkfarbenanstrich für den Grundton für die Walzenmustertechnik angesetzt und streichen nach der Knöchelprobe auf den noch frischen Kalk
Während der Restaurierungsarbeiten liegen der Notizblock und die Kamera in Reichweite so das jeder Zeit wichtige Arbeitsschritt in Wort und Schrift manchmal auch anhand von kleinen Skizzen festgehalten werden. Dadurch lassen sich alle Arbeiten nachvollziehen, Restaurierungsfehler vermeiden und nachfolgende Handwerker müssen keine aufwendige Bestandsaufnahme vornehmen (dadurch wird viel Geld und Zeit gespart) und können aufgrund meiner Abschlussdokumentation wieder rum ihr Konzept aufbauen.
| Geschichte und Hintergrund zum Objekt Emscherquellhof und Umgebung. | Schloss Raesfeld GmbH Herr Dipl. Ing. Eberhard Berg erarbeitet 1997 |
| Grundrisszeichnung und Hofansichten vom Emscherquellhof. | Dito |
| Recherche übers Internet über Geologie und Fotos zur Emscher | Emscherquellgenossenschaft u. www.unna.de/herbstblatt/hb20/hb20_08.html |
| Lokalisierung | maps.google.de |

Michael Ullrich